28. Februar 2017

Die Aromaleiste vorgestellt

Weinaromen auf den ersten Blick
Michael J. Jung
28. Februar 2017
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In unserem grunderneuerten Weinshop finden Sie unter jedem Wein eine sogenannte Aromaleiste – eine bildliche Auflistung der prominentesten Aromen im Wein. Im Folgenden erklären wir diese Art der Weinbeschreibung genauer.

Die Geschmackswelt der Weine ist enorm groß. Und gerade als Neuling in dieser Welt kann man von der großen Auswahl manchmal überfordert sein. Vor allem Online ist es oft schwer zu beurteilen, welcher Wein einem vermutlich schmecken wird. Aus diesem Grund haben wir neben einer klassischen Weinbeschreibung eine neue Form der Aromendarstellung ins Leben gerufen, die jeden Wein bei uns im Weinshop fortan zieren wird.

Die Vorteile der Aromaleiste:

  • Optisch ansprechend die Aromen im Wein erkennen und sehen, was einem vermutlich schmecken wird.
  • Detaillierte Informationen wie Aromenintensität und Geschmacksfolge schnell ablesen.
  • Eine gute Grundlage für das Gespräch über den Wein haben.

Aufbau und Informationsgehalt der Aromaleiste

Die Aromaleiste besteht aus mehreren Einzelbildern von Aromen, die im Wein zu schmecken sind. Typischerweise verzeichnen wir drei bis fünf Hauptaromen in der Leiste, die zusammen das Geschmacksbild und den Charakter des Weines treffend einfangen. Das bedeutet jedoch nicht, dass geübte Weinkenner nicht noch mehr Aromen herausschmecken können. Unsere Aromabeschreibung soll ein erstes Kennenlernen und ein visueller Vorgeschmack auf den Wein sein.

Die Aromaleiste verrät jedoch nicht nur, welche Aromen im Wein zu schmecken sind. Position und Breite der einzelnen Bilder – oder: Aromasegmente – sagen ebenfalls viel über das Geschmackserlebnis aus.

Die Position der Aromasegmente

Die Stelle der einzelnen Aromasegmente sagt aus, zu welchem Zeitpunkt dieses Aroma beim Trinken vermutlich auffallen wird bzw. wie leicht man dieses herausschmecken kann. Segmente weiter links in der Leiste, fallen typischerweise gleich beim ersten Schluck auf oder sind sogar schon Teil des Buketts (Geruch). Segmente weiter rechts, fallen eher beim Nachwirken des Weines (Abgang) auf und brauchen manchmal eine geübte Weinnase, um aufgespürt zu werden.

Position der Aromasegmente = Geschmacksfolge

Die Breite der Aromasegmente

Die Breite der Aromasegmente sagt etwas darüber aus, wie dominant die einzelnen Aromen sind bzw. wie sie sich in das gesamte Geschmacksbild des Weines integrieren. Ist ein Aromasegment besonders breit, ist das Aroma unzweifelhaft ein prominenter Teil vom Geschmacksspektrum, der häufig auch im Abgang erhalten bleibt. Schmalere Bilder deuten auf zurückhaltendere Aromen hin, die zwar an unterschiedlichen Zeitpunkten auffallender sein können (anzulesen an ihrer Position), aber insgesamt eher eine unterstützende Rolle einnehmen.

Breite der Aromasegmente = Aromaintensität und Nachhaltigkeit

Entstehung der Aromaleiste

An dieser Stelle ein paar kurze Worte zum Erstellungsprozess der Aromaleiste. Immer wenn ein neuer Jahrgang in den Verkauf kommt, wird er von unseren beiden Winzern Uwe und Christian einzeln probiert. Ihre Eindrücke halten die beiden dann schriftlich fest. Zunächst notieren sie die Aromen, die sie beim ersten Verkosten herausschmecken konnten. Anschließend werden die Notizen ausgetauscht. Stimmen die Aromen auf beiden Blättern überein, geht es in die zweite Phase. Hier geht es darum, die Position und die Breite der einzelnen Aromen zu bestimmen. Auch hier wird zunächst separat verkostet und notiert, um sich gegenseitig nicht zu beeinflussen. Erst nach der Probe, setzt an sich zusammen und einigt sich auf eine Darstellung. Ist man sich bei manchen Aromen unsicher, werden auch mal andere Mitarbeiter des Weinguts zu Rate gezogen, um auch die Meinung einer "Nicht-Winzer-Nase" dabei zu haben.

Sind Aromenbestandteile, Position und Breite festgelegt, wird ein Weinsteckbrief mit verzeichneter Aromaleiste an Michael, den Technikmenschen des Weinguts gesendet und von ihm grafisch umgesetzt. Anschließend geht die neue Grafik direkt in den Onlineshop.

Grafische Aufbereitung der Aromaleiste
Wie verlässlich sind die Angaben auf der Aromaleiste?

Eines ist klar: Geschmäcker sind verschieden und was unsere beiden Winzer schmecken, muss nicht zwangsläufig mit Ihrer Wahrnehmung übereinstimmen. Dennoch hoffen wir, dass wir durch das Verfahren der Blindtestung, in dem die Ergebnisse vorerst vor dem anderen Winzer geheimgehalten werden, eine verlässliche Basis haben.

Wir freuen uns natürlich auch immer über eine Rückmeldung unserer Kunden. Schmecken Sie alle verzeichneten Aromen heraus? Vielleicht schmecken Sie sogar noch mehr oder nehmen den Wein gänzlich anders wahr. In jedem Fall wäre es großartig, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns und mit anderen Weinenthusiasten teilen. Ganz egal, ob Sie uns auf Facebook schreiben, oder eine Rezension auf der Weinseite hinterlassen. Teil der Weinkultur ist das Gespräch über die gemeinsame Leidenschaft.

Beispiele mit Erklärung

Wer sich jetzt noch nicht vorstellen kann, wie man die Aromaleiste richtig lesen kann, für den haben wir im Folgenden ein paar Beispiele.

Bsp. 1 — Cabernet Cortis

So ziemlich jedem, der den Cabernet Cortis probiert, fällt zunächst einmal das Chiliaroma auf, dass allmählich von einem Hauch Nelke abgelöst wird. Der Chili- und Gewürznelkenteil des Aromenbilds finden sich deshalb weiter links in der Leiste. Lässt man den Wein etwas auf sich wirken, tritt der Geschmack von Brombeere in Erscheinung, die sich deshalb mittig in der Leiste wiederfindet. Ganz rechts stehen die Aromen von Zimt und Vanille. Diese Aromen fallen beim Abgang besonders auf. Das Zimtaroma, welches nahe an einer Kombination von Chili und Nelke liegt, schmeckt sich hierbei leichter heraus als die Vanille, die man oft erst beim zweiten oder dritten Schluck erfährt, wenn der Cortis Zeit zum wirken hatte. Im Gesamtbild ist jedoch die Zimtnote etwas schwächer als der weiche vanillige Abgang.

Bsp. 2 — Novus

Bei unserer Riesling-Kreation, dem Novus treten frische Aromen von Zitrone und rotem Apfel in den Vordergrund, während nussig-würzige Aromen von Walnuss, Vanille und Kräuter eher unterstützende Aromen sind. Während der Unterschied zwischen Apfel und beispielsweise Walnuss deutlich durch die unterschiedlich Breite der jeweiligen Bilder auffällt, liegt der wesentliche Unterschied zwischen dem Zitronenaroma und dem kräuterigen Geschmack fast ausschließlich im Zeitpunkt. Das zitronige am Novus fällt meist beim ersten Schluck auf, während der Kräutercharakter eher eine Sache des Abgang und des Nachwirkens ist. Beide Aromen machen aber nahezu den gleichen Anteil am Geschmacksprofil des Novus aus.

Bsp. 3 — Weißer Burgunder 2015

Beim Weißen Burgunder 2015 wirken hauptsächlich vier Aromen zusammen. Mit ganz geringen Unterschieden sind alle vier großenteils gleich stark im Geschmacksprofil vertreten. Maracuja und Aprikose zeigen sich dem geneigten Weinkoster jedoch früher, als die Aromen von reifer Banane und Honig.

Bsp. 4 — Weißer Burgunder Kalkmergel 2015

Typisch für einen Kalkmergel-Wein: der Weiße Burgunder Kalkmergel 2015 ist eine wahre Fruchtbombe mit einem äußerst komplexen Fruchtsäurespiel. Das Ananasaroma tut sich gleich beim ersten Schluck hervor, gibt die Bühne jedoch genauso schnell wieder frei und macht einem gleichberechtigten Duo aus Holunder und Aprikose Platz. Die Aromen von Apfel und Zitrone wirken im Hintergrund und treten erst im Abgang vorsichtig ins Rampenlicht. Dominiert wird das gesamte Geschmacksempfinden vom harmonischen Zusammenspiel zwischen Aprikose und Holunderblüte.

Bsp. 5 — Rosé Kabinett 2015

Der goldprämierte Rosé 2015 schmeckt kurzerhand nach Sommer. Das auffallende Aroma von Erdbeere zeigt sich gleich beim ersten Schluck und bleibt über den Abgang hinaus Teil des Geschmacksprofils. Jedoch kommen später nach eine gute Portion Himbeere und ein Hauch von Mango und Honig hinzu.

Aromarad & Sensorikseminar: die perfekte Ergänzung

Wie jetzt unschwer zu erkennen gewesen sein dürfte, lässt sich ein komplexes Geschmacksbild auch sehr gut durch einige wenige Bilder darstellen, ohne auf Informationsgehalt zu verzichten. Dennoch muss man sagen, dass die Aromaleiste nur den ersten Eindruck wiedergeben kann. Tiefergehende Beschreibungen – egal ob im privaten oder önologischen Bereich – brauchen ein größeres Repartoire an Begriffen und natürlich: Übung.

Einsteigern können sogenannte Aromaräder helfen, die eigenen Geschmacksempfindungen in Worte zu fassen. Auf diesen kleinen Pappscheiben sind jeweils für Rot- und Weißweine wichtige Begriffe unter Kategorien aufgelistet, die das organisierte Beschreiben des Weines leichter machen können. Die kleinen Scheiben gibt es separat bei uns im Shop und sie liegen auch den Probierpaketen SOMNUS, SOLIS und VENATUS bei. So klappt die private Weinprobe zuhause bestimmt.

Aromarad vom Bund Deutscher Oenologen

Wer tiefer in die Geschmackswelten einsteigen möchte, für den eignet sich wohlmöglich unser jährliches Sensorikseminar. In der 3- bis 4-stündigen Veranstaltung erklärt Ihnen unser Jungwinzer Christian die Grundlagen der Weinsensorik, gibt Tipps für das richtige Probieren des Weins und führt Sie mittels Weinverkostung Sie durch die Einzelheiten einer gelungenen Weinprobe.

Wir hoffen, das Ihnen der Artikel geholfen hat und Sie die Aromaleiste als Instrument nutzen können, um Ihren Lieblingswein zu finden. Viel Spaß beim Stöbern, Probieren und beim regen Austausch über die komplexen Aromen des Weins. Prosit!

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