3. März 2017

Was ist eigentlich Weinstein?

Eine kurze Erklärung
Christian Jung
3. März 2017
Artikel teilen:

Einige Glauben, dass Weinstein ein Zeichen für schlechten Wein ist. Eines gleich vorweg: das ist ein Trugschluss. Weinstein ist im Grunde genommen in jedem Wein enthalten — zumeist ist er jedoch für das menschliche Auge unsichtbar.

Das Wichtigste gleich vorweg: Entgegen der verbreiteten Meinung, ist Weinstein gesundheitlich völlig unbedenklich und beeinflusst in keiner Weise den Geschmack des Weines. Zudem sagt er auch nichts über die Qualität des Weines aus. Weinstein ist eine natürliche Verbindung von Mineralien und Fruchtsäure.

Weinstein im Glas

Wie kommt der „Stein“ in den Wein?

Genau genommen ist der Weinstein in seiner gelösten Form — die Weinsäure — in jedem Wein enthalten. Sichtbar wird die Substanz aber erst, wenn sie bei der Lagerung auskristallisiert und sich am Flaschenboden ansammelt. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus schwerlöslichen Salzen der Weinsäure, im Wesentlichen aus Kaliumhydrogentartrat.

Je länger ein Wein lagern, umso größer wird die Chance, dass man die kleinen bernsteinfarbenen Kristalle darin findet. Zwar stimmt es nicht, dass sich die Kristalle ausschließlich in älteren Weinen finden. Denn oft bilden sich die Kristalle sogar schon bei der Gärung und Reifung im Fass. Dem Weintrinker fallen sie aber meist nur dann auf, wenn sie sich zu größeren Gebilden zusammengeformt haben; und dies setzt eine gewisse Lagerungszeit voraus. Übrigens beeinflussen Alkoholgehalt und Lagerungstemperatur die Entstehung von Weinstein ebenfalls.

Was tun, wenn man Weinstein findet?

Wie bereits erwähnt: Weinstein schadet dem Wein nicht und lässt auch keine Rückschlüsse auf die Qualität zu, dennoch ist er natürlich beim Trinken unerwünscht. Die Kristalle lösen sich zwar schnell in der Mundflora auf, aber wer will schon einen Wein trinken, der "knusprig" ist? Hat man einen Wein mit Weinstein vor sich, empfiehlt es sich, diesen zu dekantieren. Wie bei älteren Rotweinen, wo sich ab und an ein Bodensatz aus Farb- und Gerbstoffen (das sogenannte Depot) finden lässt, löst sich das Problem mit dem Weinstein ebenfalls durch das behutsame Umfüllen in ein weiteres Gefäß. Wichtig bei älteren Weinen: verwenden Sie immer ein schmales Gefäß. Da der Kontakt mit Luftsauerstoff beim Dekantieren gerade bei diesen Weinen zum „Umkippen“ führen kann – also zu Oxidation und Verderb –, verwendet man in solchen Fällen besser eine schmale Dekantierkaraffe mit geringer Luftspiegelfläche. Hat man keinen Dekanter zur Hand, kann man den auch Wein einfach in eine andere Weinflasche umfüllen, oder man bemüht sich, das Weinglas möglichst langsam einzuschenken, ohne den Weinstein mitzunehmen.

Die Lösung für Weinstein: Behutsames Umfüllen in eine Weinkaraffe.

Wir fassen zusammen

Weinstein ist eine natürliche Verbindung aus Mineralien und Fruchtsäure, die gesundheitlich vollkommen unbedenklich ist und keine Aussage zur Weinqualität zulässt. Häufig findet sich die Substanz bei Rotweinen und sie ist mit einem Dekanter oder vorsichtigem Einschenken einfach vom Wein zu trennen. Wenn Sie also das nächste Mal die kleinen bernsteinfarbenen Kristalle im Wein finden: keine Panik — und prost.

Hinterlassen Sie einen Kommentar
Nie wieder was verpassen. Das Weingut Journal direkt ins E-Mail-Postfach.
Danke für Ihr Interesse! Sie sind dabei.
Ups... da ging wohl was schief. Versuchen Sie es bitte später noch mal.
© 2018 | WEINGUT JUNG Kandel — Weinkultur. Für alle.
Fragen & AntwortenAllgemeine GeschäftsbedingungenWiderrufsrechtDatenschutzImpressum